Wenn schon, dann...
...mache ich besondere Weine mit einzigartigem Charakter, hat sich Don Carlos Falcó, Weinfreunden besser bekannt unter seinem Adelstitel Marqués de Griñón, gesagt und ging ans Werk.
Schon Jahre bevor die Weinkritikerpäpste und dann auch die Weinfreunde ihre Nervi olfactorii, Geruchsnerven, und Papillae gustatoriae, Geschmackspapillen, von seinen Weinen umspülen lassen konnten, hat Don Carlos Falcó zusammen mit Önologiepapst Emile Peynaud die Reben gepflanzt, deren Weine heute in vieler Hinsicht nahezu einzigartig sind: In den 70er Jahren - und dazu noch illegal.
Don Carlos, el contrabandista
Der Schmuggler Carlos Falcó holte, versteckt unter Apfelbäumen, 1974 die ersten Cabernet Sauvignon-Reben, die er auf Dominio de Valdepusa pflanzen wollte, auf einem Lastwagen ins Land.
Das seit 1292 im Familienbesitz befindliche Dominio de Valdepusa bei Malpica de Tajo, 109 km südwestlich von Madrid und 50 km von Toledo, dessen Gebäude rund um den zentralen Patio aus dem 18. Jh. stammen, sind im klassischen Stil von Toledo erbaut. Im Patio entdecken wir einen Lagar (Steintrog zum Weintreten), der im Herbst 1995 von Kronprinz Felipe und seiner Schwester, der Herzogin von Lugo, fusstretend eingeweiht wurde. Besucher können hier während der Lese die alte Tradition des Weintretens mit den eigenen Füssen erleben.
Die uralten Gewölbekeller wurden 1989 von Grund auf renoviert, mit Klima- und Luftfeuchtigkeitssteuerungsanlagen ausgestattet, die das perfekte Klima für den Fassausbau der Weine in über 1.200 Barriques aus französischer Nevers- und Allier-Eiche und die spätere Flaschenreife sicherstellen. Im Gärkeller warten 25 Edelstahlgärtanks für die getrennte Fermentation der einzelnen Rebsorten, Lagen und Erntedurchgänge nach aufwendiger Selektion auf das Lesegut. Eine moderne Abfüllstraße für 2.000 Flaschen pro Stunde bildet den Rest der Weinkelleranlagen.
Carlos Falcó, el pionero
Nur wenige Tage nachdem er 1974 vor Weinfachleuten einen Vortrag über das in Spanien damals noch unbekannte und folglich verbotene canopy management (mit Tropfbewässerung nicht perfekt übersetzt, da es sich eigentlich um ein “Reblaubmanagement” handelt) gehalten hatte, rollten 20 auf Hochglanz polierte, schwarze Limousinen auf den Hof von Dominio de Valdepusa und heraus stiegen die Vertreter der Staatsmacht. Die vigilantes del estado, Staatsinspektoren, nahmen das unzulässige Bewässerungssystem penibelst unter die Lupe und brummten Don Carlos die für damalige Verhältnisse saftige Strafe von 150.000 Pesetas (heute etwas über 900 Euro) auf. “Was sie nicht merkten”, grinst der Marqués verschmitzt, “war, dass wir damit die illegal angebauten Cabernet Sauvignon-Reben wässerten.”
In einem offenen Brief wetterte er danach in der führenden Tageszeitung El País gegen das veraltete spanische Weingesetz und prophezeite: “Wenn Spaniens Gesetzgeber die Zeichen der Zeit nicht sehen, werden unsere Winzer binnen weniger Jahre von den Weinmachern der Neuen Welt und Australiens, die selbst entscheiden können, welche Rebsorten sie pflanzen, ins Abseits gestellt.”
Da aber Spaniens Gesetzesmühlen in der landesüblichen “mañana”-Mentalität gemächlichst mahlen, sollten über 20 Jahre vergehen, bis der Landwirtschaftsminister sich 1996 endlich dazu herabliess, nicht nur der inzwischen weltweit erfolgreichen Tropfbewässerung seinen Segen zu erteilen, sondern er erlaubte sogar, dass Don Carlos die 1974 gepflanzen, inzwischen über 22 Jahre alten Cabernet Sauvignon-Rebstöcke “experimentell” anbauen durfte.
Don Carlos, el hombre de acción
Carlos Falcó, der Macher, - Dipl. Landwirtschaftsingenieur der belgischen Universität Leuven und Davis (University of California) - ist wohl der profilierteste Wegbereiter des modernen Weinbaus und der Kellertechnik in Spanien.
Er stammt aus dem historischen Adelsgeschlecht Marqués de Griñón und Marqués de Castelmoncayo und gehört als Grande de España der höchsten Kategorie der spanischen Aristokratie an.
Dominio de Valdepusa ist seit 1974 das Experimentierfeld bei der Einführung neuer Techniken, wie der Tropfbewässerung, der 1994 eingeführten Smart-Dyson-Spaliererziehung, dem Partial Root Dying 1999 und dem Einsatz von Dendrometern, elektronischen Steuerelementen zur Überwachung des Trockenstress der Rebstöcke.
Don Carlos ist auch Gründer und Vorsitzender der “Grandes Pagos de España”, der Vereinigung spanischer Top-Weingüter, und unter anderen Mitglied der Weinbruderschaften des Rioja, des Penedès, der “Confrerie du Bontemps de Médoc et Bordeaux” und der “Tastevins de Bourgogne”.
Landweine machen Furore
Bis Dominio de Valdepusa 2002 vom spanischen Staat offiziell als erster Vino de Pago (Lagenwein mit eigener Denominación de Origen, Herkunftsbezeichnung, die - meckern einige Rioja-Barone - eigens für ihn geschaffen wurde) des Landes anerkannt wurde, musste Don Carlos seine Weine, die gegen alle gesetzlich betonierten Vorschriften verstiessen, als einfache Vino de Mesa, Tischwein, vermarkten.
Erfolgreich, wie sich in den folgenden Jahren zeigte. Denn nicht nur die Kritiker lobten sie über den grünen Klee, auch unter Weinfreunden gewannen sie schnell ihre Fans - und die aktuellen Jahrgänge waren schnell ausverkauft.
Die Weinerzeugung konzentriert sich mit Beratung des weltbekannten Önologen Michel Rolland ausschliesslich auf Weine von den eigenen Rebflächen. Michel Rolland wurde vom dem legendären Weinprofessor Emile Peynaud, der von der ersten Stunde bis zu seinem Ruhestand 1990 dabei war, als Nachfolger auserkorenen.
Als sortenreine Dominio de Valdepusa-Weine sind Cabernet Sauvignon, Syrah und Petit Verdot auf dem Markt und seit 1997 der Emeritus, die Top-Cuvée der besten Fässer jeder Sorte und ausserdem der von Xandra Falcó komponierte Summa Varietalis.
Das flüssige Gold des Don Carlos
Traditionell sind Oliven das Brot der Bauern in den Montes de Toledo. Und die heißen, trockenen Sommer und kalten Winter trotzen ihnen ein Höchstmaß an Aromen ab.
Doch - wenn Don Carlos Olivenöl macht, muss es wie seine Weine, etwas Besonderes werden. Drum tat er sich mit der toskanischen er Olivenöl-Koryphäe Marco Mugelli zusammen und baute drei verschiedene Olivensorten an: Manzanilla, Arbequina und Picual, deren Aromen sich perfekt ergänzen.
Marqués de Griñón Capilla del Fraile 2005
Aceite de Oliva Virgen Extra • Arbequina, Picual, Manzanilla • 0,1° Säure
Intensiver Duft frischer grüner Tomaten, dazu ein feiner Hauch von Eukalyptus, frisches Gras, grüner Äpfel und präsente mandelige Noten. Im Mund leicht bittere, zartpikante Schärfe, feiner Gerbstoff, dann flüchtig-pfeffrige Schärfe, ziemlich feurig, doch nicht unangenehm. Zuletzt feine, nachklingende Aromatik und kein Fett oder Öl, das weggespült werden muss, was hochwertiges Olivenöl auszeichnet. Ein Öl, das hervorragend zu Salatdressings, Pesto, Marinaden, Hülsenfrüchten, Fleisch, Fisch und - Desserts! passt.
Die Lagen
Die 42 ha. Rebfläche auf dem Gut Dominio de Valdepusa befinden sich etwa 6 km von Malpica del Tajo in der Provinz Toledo, 109 km südwestlich von Madrid und 50 km von Toledo, unweit des Laufs des Tajo.
Alle Reben werden - auf Empfehlung von Penfolds Dr. Richard Smart, der Don Carlos seit 1992 berät - mit Lyra- und Smart-Dyson-Spalieren erzogen, die durch gleichmässige Sonnenbestrahlung der Trauben und Blätter die einheitliche Reife, neben Klima und Terroir einer der Schlüsselfaktoren für die Qualität der Valdepusa-Weine, sichern.
Der Boden
Mitteltiefer Kalk-Lehmboden auf Kalkgestein.
Das Klima
Ausgeprägt kontinental, mit heissen trockenen Sommern und kalten Wintern.
Die Rebsorten
Rot: Cabernet-Sauvignon (1974 gepflanzt), Syrah (1991), Petit Verdot (1992), Graciano (2000)
Dominio de Valdepusa
Pagos de Familia Marqués de Griñón SA.
Ctra. CM4015, km 23 • Finca Casadevacas • E 45692 Malpica de Tajo/Toledo
Tel: Bodega +34 - 925 597 222
Tel: Büro • Fax: +34 - 914 114 202
Mail: info@pagosdefamilia.com • Web: www.pagosdefamilia.com
Besichtigungen und Weinproben nach vorheriger Terminvereinbarung
Dominio de Valdepusa Cabernet Sauvignon 2003
92 100 % Cabernet Sauvignon • 12-14 Mon. Barrique • 14,5 % Vol.
Beinahe undurchdringliches Rubin mit Purpurakzent. Erst verhaltener mineralisch-metallischer Duft, dann würzige dunkle Frucht, Brombeeren, Gewürznelke, Kardamom, ofenfrisches Gebäck und vollreife, rote Paprika. Dicht gewirkt, opulent, saftig im Mund, harmonische Säure und Tannine, wieder Waldbeeren und Paprika, hat Kraft und Tiefe. Langer Abgang mit noch leichter Adstringenz.
Ein Musterbeispiel eines Cabernet Sauvignon, braucht aber noch Zeit, um sich zu entwickeln. Drum: Jetzt kaufen und noch 2-3 Jahre im Keller reifen lassen.
Dominio de Valdepusa Petit Verdot 2002
92 100 % Petit Verdot • 12-14 Mon. Barrique • 14,5 % Vol.
Faszinierend tiefes, dichtes, brombeeriges Purpur. In der Nase rauchige Eichentöne neuer Barriques, metallische Mineralik, dann Preiselbeeren, Dörrobst, Rosinen. Im Mund dicht, komplex, sehr konzentriert, saftig, dominante Waldfruchtaromen (Himbeeren), satte Tannine harmonieren mit intensivem Holzton. Langer und nachhaltiger Abgang mit Mandelton.
Braucht aber noch einige Jahre, um sich zu entwickeln. Drum: Jetzt kaufern und im Keller reifen lassen.
Dominio de Valdepusa Syrah 2002
91 100 % Syrah • 12-14 Mon. Barrique • 15 % Vol.
Tiefes, fast opakes Purpur-Rubin. Sehr intensive Nase mit reifen Waldfrüchten, Kuchen, Rumtopf, exotische Gewürze und präsente Mineralik. Im Mund ausgezeichnet strukturiert, konzentriert, aber dank frischer, passender Säure nicht überkonzentriert, saftig, samtweich, schmelzig, phantastisch stoffig, subtil, perfekt eingebundene Holztannine, wieder Waldfrüchte, Kräuter und Zartbitterschokolade, hat grosse Tiefe und Potenzial. Langer facettenreicher Abgang.
Unbedingt im dagobertduckschen Geldspeicher einkellern. Wenn Sie sie nicht warten wollen/ können und ihn schon jetzt entkorken, mindestens 5-6 Stunden vor dem Genuss langsam (damit er viel Luft kriegt) dekantieren.
Emeritus 2002
94 50 % Cabernet Sauvignon, 30 % Petit Verdot, 20 % Syrah • 20-25 Mon.
Barrique • 14 % Vol.
Kraftstrotzender Jüngling. Jetzt schnell kaufen und im Keller verstecken. Dichtes, brombeeriges Granatrot. Tiefer, kraftvoller Duft nach Weihnachtsgewürzen, Mandelbutterkuchen, dann hochreife dunkle, in Alkohol eingelegte Frucht und mineralische Klänge. Komplex, saftig-ölig im Mund, harmonisch, ausgezeichnet eingebundenes Tannin, wieder Gewürze, Cognackirschen, Himbeeren und metallische Mineralik, enorme Nachhaltigkeit, Tiefe und Potenzial. Irrsinnig lange nachklingender Abgang.
Ein Emeritus wie er im Buch steht, der in 2-3 Jahren genial sein wird.
Summa Varietalis 2002
90 60 % Syrah, 20 % Cabernet Sauvignon, 20 % Petit Verdot • 12 Mon.
Barrique • 14 % Vol.
Besser als im Vorjahr. Tiefes, fast opakes Rubin. Elegante, doch auch dichte, schwarzbeerige Nase mit Pfeffer-, Nelken-, Rauch- und dunklen Beerenaromen, dazu eine Hauch feiner Tabak. Im Mund stoffig-dicht, saftig, harmonisch, gut eingebundene Tannine, reife, rote Waldfrüchte, mineralische und würzig-pikante Noten, hat Power und Eleganz. Markanter, fruchtiger Abgang.
Noch ausgesprochen jung und sollte 2-3 Jahre im Keller reifen dürfen.
Kein Zweitwein
Im 55 km südwestlich von Madrid gelegenen Landgut El Rincón, auf dem die Familie Falcó zurzeit lebt, wurden 2000 mit 9 ha Syrah und Garnacha Tinta die ersten Reben gepflanzt. Und 2001 wurde der Weinkeller eingerichtet, den der erste Jahrgang im Frühjahr 2005 verliess.
Einzigartig: Der Boden - in unterschiedlichen Phasen erodierter Granit - verleiht dem El Rincón ein eher atlantisches als kontinentales Profil.
El Rincon 2003
88 90 % Syrah, 10 % Garnacha Tinta • 10-12 Mon. Barrique • 14,5 % Vol.
Kein dicker, schwerer, typisch hölzerner Spanier, sondern ein modern gemachter, eindrucksvoll dimensionierter, nobler Rotwein. Dichte, komplexe Nase mit frischem Wacholder, Minze und Lorbeer dampft richtig aus dem Glas. Elegant, saftig im Mund, mit präsenten Klängen frischer Kräuter und Blüten, kompakt kraftvolle Statur mit kühlwürzigen Adern. Lange nachklingender Abgang.
Schon jetzt ein Trinkspass, doch wird er in 2-3 Jahren noch besser.