Der Stoff, aus dem Spaniens Weine sind
Im Lauf der jahrtausendealten Weinbaugeschichte wurden von Spaniens Weinbauern rund 1.000(!) Rebsorten kultiviert, von denen heute immer noch etwa 600 - grösstenteils zwar nur regionale - Bedeutung haben. Denn nur rund 15 Rebsorten belegen den Löwenanteil von über 75 % der Rebflächen.
Alles Cabernet, Chardonnay... oder was?
Seit Don Carlos Falco, der Marqués de Griñón, die ersten Edelreben unter Apfelbäumen versteckt ins Land geschmuggelt und heimlich auf seinem Gut Dominio de Valdepusa angepflanzt hat, hat, im Zuge der Qualitäts- und Vermarktungsoffensive, das Angebot von Weinen der grossen, international verbreiteten Edelrebsorten französischen Ursprungs wie Cabernet Sauvignon, Chardonnay, Merlot, Syrah... - mit dem leider recht mainstreamigen Nachteil der globalen Coca-Colarisierung der Weine. Doch:
Jetzt kommen die Autochthonen!
Zu unserem Weingeniesserglück erleben viele der interessanten, autochthonen (in einem bestimmten Anbaugebiet heimischen) Rebsorten, mit denen charakteristisch regionaltypische Weine erzeugt werden können, bei Spaniens Weinmachern, die das “Terroir und Traube schmecken” in ihre Tropfen bringen wollen, eine tolle Renaissance. Und es sind diese autochthonen Rebsorten, die Spaniens Weine unverwechselbar machen. Denn das kongeniale, über Jahrhunderte gewachsene Zusammenspiel von Terroir und Rebsorte bringt Weine hervor, die sich wohltuend von den geschmacksuniformen Weinen der weltweit verbreiteten Edelrebsorten französischen Ursprungs abheben.
Leider, wie das Sprichwort sagt, »gilt der Prophet nichts im eigenen Land« und auch in Spanien haben viele Winzer auf die »vermarktungssicheren« Rebsorten gesetzt - und den einzigartigen Reichtum vor ihrer Haustür jahrelang missachtet.
Inzwischen aber hat der immer lauter werdende Ruf der Weinfreunde, denen die »Coca Cola«-Weine Oberkante Unterlippe stehen, auch Spaniens Weinmacher wachgerüttelt. Sie entdecken die Schätze auf ihren Rebflächen, darunter vielfach weit über 100jährige Rebstöcke, die »viñas viejas«, und sogar wahre Rebmethusalems aus der Vor-Reblaus-Ära, und heute präsentieren sie uns immer neue, einzigartige Weine, in denen wir ihr Terroir und ihre Reben erschnuppern und erschmecken können.
Von den Rebsorten, die den spezifischen Charakter dieser weltweit einzigartigen Weine ausmachen, werden Sie in den folgenden Beschreibungen sicher so einige finden, und wir laden Sie ein, sich (hoffentlich nicht nur!) einmal dem nasen- und gaumenkitzelnden Vergnügen hinzugeben und zum Beispiel Weine des Tempranillo-Clans (sie haben, siehe Tempranillo, unterschiedliche Namen in den verschiedenen Anbaugebieten) zu probieren und zu vergleichen.
