Alles, was Sie über Spaniens Weine wissen müssen

Oder: Wenn unabhängige Weinkritiker als “wine-scouts” arbeiten

   Ein etwas tieferer Blick in die mehr als allgemein geschäftsüblichenVerflechtungen zwischen Vermarktern und Weinkritikern - insbesondere, aber nicht nur!, in den USA - dokumentiert überdeutlich, dass so mancher Verkoster sein profitables Nebengeschäftchen macht.

   Als grundehrlicher und absolut unabhängiger Anwalt der Liga der Weinfreunde (die fetten Europrovisionen und Werbemillionen können wir so natürlich nicht in unsere Kassen schieben) halten wir es auch weiterhin mit Monsieur Gault und Monsieur Millau (bei ihnen ging es nicht um 100, sondern "nur" um 20 Punkte für den optimalen Koch), die nach Zigarrenzar, Zino Davidoff, in die Nobelteller geritzt haben:

“Das Exzellente ist nicht das finale Ziel,
sondern lediglich eine Etappe auf den Weg zu Besserem.”

   Heisst: Das Optimale - 100 Punkte - ist und bleibt ein wunderschöner Winzer- wie Kritiker-traum. Deshalb sind die 100 Punkte für uns ein absolutes Tabu.

   Stellen wir uns doch nur einmal vor, wir haben in einem Wein 100 Punkte erkostet, was machen wir, wenn der Wein des nächsten Jahres diesen dann schlägt? Erweitern wir ganz nonchalant die Skala? 101, 102, 103 Punkte... 

    Also, liebe Weinfreundinnen und Weinfreunde, lassen wir die Kirche im Dorf und und 100 Punkte da wo sie hin gehören: Ins Land der Träume. Begnügen wir uns mit maximal 99 Punkten. Denn die bieten doch genug Möglichkeiten, einen Wein zu klassifizieren, oder?

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Der "Vinologe" H. Juergen Fahrenkamp outet sich

   Eigentlich, finde nicht nur ich, wären für die Weinbeweertung doch einige. ganz einfache verbale Kategorien, wie zum Beispiel “untrinkbar”, “ordentlich”, “gut”, “sehr gut”, “exzellent”, “gross” - die aber für sich allein, ohne die dazugehörigen, ausführlichen Weinbeschreibungen keinen Sinn ergeben würden, - absolut ausreichend.

   Doch mir ist auch klar, dass diese Bewertungen für niemand anderen als mich nachvollziehbar sind (und vielleicht auch in ein paar Jahren nicht mehr einmal für mich, wenn sich meine Vorlieben ändern sollten). Als "exzellent" oder "gross" klassifiziere ich Weine, die mich emotional ansprechen, und das kann ich beim besten Willen nicht mit einzelnen Komponenten im Aromenspiel, Struktur oder was weiss ich assoziieren.

   Dass ich da nicht auf dem 100-Punkte-geilen Mainstream der Weinkritik schwimme, ist mir klar, aber für mich sind auf den Wein übertragene, aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten stammende Schulnotenpunkte ein ebensolcher Schwachsinn, wie “Deutschland sucht den Superstar”..., wie die Wahl der “Miss nasses T-Shirt” oder Rankings aller Art in den Medien.

   Stellen Sie sich doch nur mal vor, Literatur-Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki würde den neuen Roman "Ein gerader Rauch" von Denis Johnson mit 97+ von 100 möglichen Punkte bewerten. Wir würden uns doch vor Lachen krümmen und der gute MRR wäre für uns von Stund an “persona non grata”!

   Beim Wein dagegen sind Leute, die sich wirklich ausführlich und ernsthaft mit ihm beschäftigen, fasziniertz von solchen Zahlenspielereien, und sie werfen mit Werten um sich, wie sonst nur mit allen Wassern gewaschene Kursjongleure an den Aktienmärkten. Was dabei herauskommen kann, erleben wir ja in diesen Tagen. Und was beim Zahlenzauber der Weinkritiker herauskommen kann, erleben Sie dann, wenn Sie ihren Korkenzieher zum Einsatz bringen.